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Datum: 03.08.2022

Artenschutzmaßnahme im Nationalpark Harz: Lebensbedingungen für Brockenanemone verbessert

Mit Mitteln aus Artenschutzsofortprogramm des Landes Sachsen-Anhalt wurden Heideflächen auf Brocken vergrößert

Um seltene Pflanzenarten vor dem Aussterben zu bewahren, wurden vom Umweltministerium des Landes Sachsen Anhalt finanzielle Mittel im Rahmen des Artenschutzsofortprogramms zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln konnte u.a. im Nationalpark Harz auf dem Brocken der Flächenanteil der sogenannten subalpinen Zwergstrauchheiden erhöht werden, um zum Beispiel optimale Standortbedingungen für die Brockenanemone (Pulsatilla alpina ssp. Alba) zu schaffen. Da die Brockenanemonen und auch andere seltene Pflanzenarten des Brockens bevorzugt in diesen Heidegesellschaften vorkommen, wurden auf ausgewählten Flächen die Gräser entfernt und die Besenheide (Calluna vulgaris) gepflanzt.

Von 2019 bis heute sind von der Gärtnerei „Harzerfrischend" in Bad Harzburg 17.500 Heidepflanzen angezogen worden. Das Stecklingsmaterial für die Anzucht stammte vom Brockenplateau und wurde von Nationalparkmitarbeitern geerntet. Es wurde somit autochthone „Brockenheide" angezogen. Die durchgewurzelten Pflanzen wurden in einer guten Qualität geliefert und zum einen im Rahmen eines Arbeitseinsatzes mit Ehrenamtlichen, zum anderen durch Mitarbeiter des Nationalpark Harz auf die hierfür vorbereiteten Flächen gepflanzt. In der zweiten Juliwoche sind die letzten 1.000 Besenheiden von Nationalpark-Mitarbeiter Ingo Matscheroth gepflanzt worden.

Der Nationalpark Harz bedankt sich bei allen an dem Projekt Beteiligten, beim Umweltministerium des Landes Sachsen Anhalt und besonders bei der Gärtnerei „Harzerfrischend", der Familie Pake aus Bad Harzburg, die 2.500 Pflanzen über den abgeschlossenen Vertrag hinaus spendete.

Hintergrund: Zwergstrauchheide auf der Brockenkuppe

Für deutsche Mittelgebirge einmalig: Der Gipfel des Brocken ist von Natur aus waldfrei. Den wilden Stürmen auf der Gipfelkuppe des Brockens hält kein Baum stand. Bei 1.100 Metern Höhe erreicht der geschlossene Wald mit den letzten ca. 150jährigen Fichten eine natürliche Grenze. Es ist die nördlichste natürliche Waldgrenze in Zentraleuropa. Weiter oberhalb breitet sich eine zwergstrauch- und grasreiche Bergheide mit wenigen krüppelwüchsigen Fichten aus.

Die Brockenkuppe ist seit der letzten Eiszeit waldfrei. In der dauernden Kälte der höchsten nördlichen Erhebung Deutschlands hat ein vielfältiges pflanzliches und tierisches Leben überdauert. Nach dem Ende der letzten Eiszeit fanden einige „Nordlichter“ hier eines ihrer letzten Rückzugsgebiete in Mitteleuropa. Deutschlandweite Raritäten wie die Starre Segge, der Alpen-Flachbärlapp, die Scheidensegge oder verschiedene Moos- und Flechtenarten sorgen für den Ruf des Harzes, wie ein Stück skandinavisches Gebirge im Herzen Deutschlands zu sein.

Die berühmte Brocken-Anemone hat ihre Heimat im fernen Osten. Sie ist deutschlandweit nur auf der Brockenkuppe zu finden.


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