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Datum: 23.01.2019

Nationalparkhaus Sankt Andreasberg rettet Fledermaus

Notfallopfer fand im Fledermaus-Stollen hinter der Einrichtung ein artgerechtes Winterquartier

Anfang Januar ging im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg ein Hilferuf des Fledermaus-Regionalbetreuers Siegfried Wielert aus Goslar ein. In Braunlage hatte eine Familie beim Bezug ihrer Wohnung eine Fledermaus im Schlafzimmer entdeckt. Sie hatte dort Winterschlaf gehalten. Durch das Hochfahren der Heizung wurde sie aufgeweckt und benötigte nun dringend eine kühle, aber frostfreie Unterkunft, um den Winter zu überstehen. Die fledermauskundigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nationalparkhauses konnten helfen und brachten das kleine Nachtwesen in ein geeignetes Winterquartier.

Annika Schröder vom Nationalparkhaus Sankt Andreasberg konnte das Tier fachgerecht bergen und in den Stollen hinter dem Nationalparkhaus umsetzen. Vorher wurden noch schnell einige Fotos gemacht und die Art bestimmt. Es handelte sich um eine Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus).

Die Art zählt zu den mittelgroßen Fledermausarten. Ihren Namen hat sie auf Grund ihres Fells bekommen. Die Rückenhaare sind zweifarbig - an der Basis sind sie schwarz, an der Spitze weiß oder silbrig gefärbt. Zweifarbfledermäuse überwintern oft in Städten, gerne in Spalten und Ritzen an Gebäuden. Wie alle Fledermausarten unterliegt sie einem strengen Schutzstatus.

Alte Bergwerksstollen sind wertvolle Winterquartiere - nicht nur für Fledermäuse

Der alte Stollen hinter dem Nationalparkhaus Sankt Andreasberg gehörte zur Grube Bergmannstrost und ist 2010 wieder freigelegt und gesichert worden, um einerseits als Winterquartier für Fledermäuse dienen zu können und andererseits im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als realistisches Anschauungsobjekt von außen zu diesem Thema genutzt zu werden. Das Projekt wurde damals gemeinsam von der Nationalparkverwaltung Harz und dem NABU realisiert.

Noch am Tag zuvor hatte Wielert im Rahmen der jährlich im Winter stattfindenden Quartierskontrolle den am Haus liegenden Stollen auf Fledermausvorkommen untersucht. Hier gibt es bisher noch keine Nachweise von Fledermäusen. Und auch in diesem Jahr konnte er keine Fledermaus entdecken. Dafür sichtete er zahlreiche Schmetterlinge, die den Stollen ebenfalls zum Überwintern nutzen.

Einen dritten Zweck hat der Stollen jetzt durch die aktuelle Rettungsaktion bekommen: Zur artgerechten Wiederauswilderung von Notfallopfern, wie der Zweifarbfledermaus aus der Braunlager Wohnung. Dank dem umsichtigen Handeln der Familie aus Braunlage - Auszug aus dem Schlafzimmer, Absenkung der Raumtemperatur, Kontaktaufnahme zum Fledermausregionalbetreuer - konnte der verirrten Fledermaus schnell geholfen werden.

Der Harz ist bei Fledermäusen beliebt

Studien haben herausgefunden, dass Fledermäuse aus einem Umkreis von über 200 km zum Überwintern in den Harz kommen. Viele Naturhöhlen, alte Bergwerksstollen, Blockhalden und Baumhöhlen bieten ihnen hier eine große Vielfalt an Winterquartieren. Kulturdenkmäler und alte Ortschaften mit traditioneller Holzbauweise bieten gebäudeliebenden Fledermäusen gute Unterkunft. Es werden auch gern alte Eiskeller, Burg- und Kirchenruinen oder alte Bunkeranlagen aufgesucht.

Im Sommer finden Fledermäuse im Harz natürliche Verstecke in alten Spechthöhlen, anderen Baumhöhlen und hinter der Rinde alter oder abgestorbener Bäume. Von den insgesamt in Deutschland vorhandenen 25 Arten konnten im Nationalpark Harz bisher 18 Arten nachgewiesen werden. In den abwechslungsreichen Wäldern mit wilden Strukturen und viel Totholz finden sie ideale Lebensbedingungen.

Den Fledermäusen im Harz, ihrer Erforschung und ihrem Schutz widmet sich seit 2016 die interaktive Ausstellung „FledermausReich" im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg in besonderer Weise. Im Winter hat das Haus dienstags bis sonntags, an Feiertagen auch montags, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.