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Wald im Wandel zur neuen Wildnis

Warum tote Bäume nicht das Ende des Waldes, sondern den Beginn der neuen Waldwildnis einläuten

Ausgedehnte Wälder im Wandel zur Wildnis, wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen – im Nationalpark Harz darf die Natur ihren eigenen Weg gehen. Dadurch bietet sich die seltene Gelegenheit, den natürlichen Waldwandel vom ehemaligen Wirtschaftswald hin zum wilden Natur­wald zu erleben. In einigen Bereichen geht dieser Wandel aktuell sehr rasant von statten und die Waldbilder dieser Übergangsphase wirken auf viele Menschen zunächst befremdlich. Wenn man heute durch den Nationalpark Harz wandert, bietet sich auf einigen Waldflächen tatsächlich ein bizarres Bild. Graue Holzgerippe abgestorbener alter Fichten dominieren die Landschaft und wirken auf zahlreiche Einheimische und Gäste schockierend. Viele sorgen sich um den Wald und stellen Fragen zu seinem Zustand.

Die Antwort auf diese Fragen gibt die Natur selbst. Unser Film erklärt die Zusammenhänge in dieser ganz besonderen Baustelle der Natur. Er gibt Einblicke in den Wandel zur Wildnis, lässt Experten aus anderen Nationalparken zu Wort kommen und zeigt, dass der Wald trotz vieler toter Bäume so lebendig und dynamisch ist, wie selten zuvor – schauen Sie mal rein.

Der Wildnis beim Wachsen zuschauen

Stürme, Wetterextreme und Borkenkäfer lassen die meist menschengeprägten, älteren Fichtenforste im Nationalparkgebiet großflächig absterben. Je nach Höhenlage setzen sich nun eher Buchen oder wieder junge Fichten durch. Die Natur hat dabei andere Maßstäbe von Zeit und Ordnung als wir Menschen.

In den Hochlagen ist die Fichte von Natur aus heimisch, deshalb wird sie in diesen Gebieten auch weiter die Hauptbaumart bleiben. Neben jungen Fichten wachsen hier nun auch einige Laubbäume wie Eberesche, Bergahorn oder Weide.

In tieferen Lagen schlagen in den ehemaligen Fichtenforsten vor allem verschiedene Laubbäume Wurzeln. Von Natur aus würden hier vor allem Buchen wachsen, deren Rückkehr der Nationalpark mit Pflanzungen unterstützt.

Das Totholz bleibt im Nationalparkgebiet sowiet wie möglich im Wald und bietet so zahlreichen Bewohnern Nahrung und Unterschlupf. Wer genau hinschaut, kann selbst im scheinbar toten Wald überall Leben entdecken. Nutzen Sie die seltene Gelegenheit, einer neuen Wildnis beim Wachsen zuzuschauen.

Aktuelle Studienergebnisse des Nationalparks weisen übrigens darauf hin, dass Totholz im Wald die Vogel-Vielfalt fördert. und auch zahlreiche andere Tiere, Pflanzen, Pilze und Kleinlebewesen profitieren direkt oder indirekt vom Wandel zur Wildnis.

Aber warum denn eigentlich Natur Natur sein lassen?

Nationalparke schützen natürliche Prozesse. Sie schaffen gerade durch das Zulassen von Zerfalls- und Zusammenbruchsphasen wertvolle Lebensräume, die sonst selten geworden sind. Deshalb bleibt das Holz im Nationalpark auch im Wald! Totholz bildet eine wichtige Grundlage für die neue Waldwildnis.  Je nach Holzart und Stand des Verfallsprozesses sind etwa 600 Großpilzarten und rund 1.350 Käferarten an der vollständigen Mineralisierung eines Stammes beteiligt. Ihnen fehlt die Lebensgrundlage, wenn das Holz entfernt wird. Viele Arten, die beispielsweise auf sehr dickes, sehr morsches Holz spezialisiert sind, sind heute selten geworden. Schätzungsweise 25 bis 30% aller im Wald lebenden Arten sind auf Totholz in verschiedensten Zersetzungsstadien angewiesen. Es bietet Unterschlupf, Nahrung und Lebensraum.

Wo Wald war, wird Wald bleiben!

Wie zügig sich der Wald von selbst „repariert“ und in einem dauerhaften Waldkreislauf von der Totholzphase wieder zur Verjüngung übergeht, zeigen vom Nationalpark fotografierten Zeitreihen der Waldentwicklung an verschiedenen Stellen.

Vom Nationalparkleiter erklärt

Am 19. Juli 2018 stellte Nationalparkleiter Andreas Pusch im Rathaus Schierke in einem Vortrag die Waldentwicklung im Nationalpark Harz einem interessierten Publikum vor. Er erklärte, wie ein natürlicher Wald funktioniert, welches Leben im Totholz gedeiht und warum das aktuell vor allem in den Hochlagen des Nationalparks Harz beobachtbare Absterben alter Fichten nicht das Ende des Waldes, sondern den Beginn größerer Naturnähe bedeutet. Mit zahlreichen Bildern und Einblicken erläuterte er die Hintergründe aktueller Entwicklungen, zeigte Zusammenhänge auf und gab Ausblicke auf eine stabile, vielfältigere und artenreichere Waldwildnis der Nationalparkwälder rund um den Brocken.

Für alle die nicht dabei sein konnten, gibt es den Vortrag auch als Videomitschnitt der Sendung „Wiese, Wald & Co – Spezial“ vom 2. August 2018. Herzlichen Dank an die Redaktion von TV38 – Fernsehen zwischen Harz und Heide.