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Aktuelles von den Junior-Rangern

Die Junior-Ranger im Nationalpark Harz erleben viele spannende Abenteuer und kennen sich in der Natur bestens aus

Das Junior-Ranger-Bundestreffen 2016 in der Rhön

Eingeflogen aus ganz Deutschland

Commerzbank-Umweltpraktikant Jan Schütt berichtet:

Früh morgens brechen sie aus den verschiedenen Schutzgebieten in ganz Deutschland auf. Gut versorgt, wird die mitunter sehr lange Reise nur zur Nahrungsaufnahme und kurzem Rasten unterbrochen. Nach einiger Zeit landen sie dann alle auf einer großen Wiese, ein wenig oberhalb des Schlosses "Saaleck" bei Hammelburg. Vielleicht vermuten die ersten hier ein bisher ungeklärtes Phänomen des Vogelzugs. Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um das Zusammentreffen von Junior-Rangern aus ganz Deutschland und ihren begleitenden Nationalparkbetreuern. Und ich, der diesjährige Commerzbank-Umweltpraktikant des Nationalpark-Bildungszentrums Sankt Andreasberg, konnte dabei sein.

Seit nunmehr 25 Jahren trägt die Rhön den Titel eines UNESCO-Biosphärenreservats und lud zu diesem wichtigen Jubiläum die verschiedenen Schutzgebiete unter dem diesjährigen Motto "Stadt – Land – Fluss" ein.

Nach dem Aufbau der Zelte konnte das Erkunden des Lagers losgehen. Ob beim gemeinsamen Essen, dem abendlichen Lagerfeuer oder bei den Spielen rund ums Camp stand dem Kennenlernen und Austausch der Teilnehmer nichts mehr im Wege. Zumindest bis zum Zeitpunkt der Nachtruhe, die in einigen Zelten erst ein paar Stunden später einsetzte...

Für mich selbst sowie für viele andere war es sicher das erste Mal, dass sie im bayerischen Teil dieses Mittelgebirges unterwegs waren. Umso besser, dass die Teilnehmer am folgenden Tag zu einer Rallye in die Umgebung aufbrachen. Auf der festgelegten Strecke wurden verschiedenste Stationen besucht. Neben Aktivitäten wie Bogenschießen, Flusspaddeln und einer Floßbauaktion wurde man ebenfalls über die heimischen Tiere wie Biber und Storch informiert. Aber auch die erdgeschichtliche Vergangenheit der Rhön konnte anhand von versteinerten Ammoniten und Saurier-Fußabdrücken nachvollzogen werden. Das obligatorische Stadt – Land – Fluss-Spiel durfte auf der Tour natürlich auch nicht fehlen. Sogar das wechselhafte Wetter ließ sich nicht lumpen und sorgte dafür, dass die Teilnehmer nach andauernden Regenschauern doch noch mit einem sonnigen Nachmittag belohnt wurden.

Am nächsten Tag stand der sogenannte "Markt der Möglichkeiten" im Mittelpunkt. Hier konnten sich die Junior-Ranger zu verschiedenen Themen informieren. Neben Spielen zum Klimaschutz war es möglich, sich an den Ständen auch über Sternbilder schlau zu machen oder seinen eigenen Nistkasten zu bauen. Aufgrund des warmen Wetters wurde der Markt durch gelegentliche Wasserschlachten und Wettkampfspiele erweitert. Gleich nebenan fanden ebenfalls mehrere spannende Fußballspiele zwischen Österreich und Deutschland statt. Wohlgemerkt mit eigenem Kommentator am Megafon!

Zum Abschluss des Treffens meldeten sich dann die bisher vorbeigezogenen Gewitterfronten zurück. Als Folge wurden die Bewohner des Campingplatzes zeitweise in das nahe gelegene Schloss Saaleck umgesiedelt. Nach einigen Stunden Dauerregen konnten die Teilnehmer wieder auf den Platz zurückkehren, doch manch einer musste entweder aus seinem nassen Zelt zum Nachbarn oder in die beheizte Notunterkunft umziehen...

Die Teilnehmer nahmen sicher viele bleibende Erinnerungen und neue Erfahrungen mit auf ihre Rückreise. In einer nicht allzu fernen Zukunft machen sich die Junior-Ranger sicher wieder auf. Und wer weiß schon, wo sie sich dieses Mal für eine kurze Zeit niederlassen?

Was fliegt denn da?

Das erste „Birdrace" im Nationalpark Harz im April 2016

Heute haben es die Vögel in der Nähe des Natur-Erlebniszentrums HohneHof nicht leicht. Überall streifen Kinder in Kleingruppen umher und beobachten sie mit Ferngläsern aufgeregt aus der Ferne. Da möchte man doch am liebsten Fortfliegen, aber ein wenig neugierig ist man dann doch schon, also lieber noch ein wenig sitzen bleiben und zurückbeobachten.

So ähnlich wird es den meisten Singvögeln am 23. April 2016 in der unmittelbaren Umgebung des HohneHofs ergangen sein. Grund hierfür war ein Junior-Ranger Workshop der sich mit dem Thema der Singvögel beschäftigte.

Um die Vogelarten während des Birdrace überhaupt erkennen zu können wurden die in der Region vorkommenden Vogelarten in gemeinsamer Runde vorgestellt. Hierfür bekam jeder Teilnehmer einen kurzen Infobogen zu einer Vogelart zur Hand und sollte seinen Vogel anschließend der Teilnehmergruppe vorstellen. Die Ornithologin Caren Pertl, stand den Kindern mit ihrem Fachwissen, weiterem Bildmaterial und aufgezeichneten Vogelstimmen hilfreich zur Seite.

Nach dieser grundlegenden Einführung konnte es also losgehen und die mit Zählbogen und Fernglas ausgestatten Junior-Ranger zogen los um die vielen verschiedenen Vogelarten in der Umgebung zu entdecken und ihre Sichtungen anschließend auf dem Zählbogen zu dokumentieren. Nach einiger Zeit kehrten die Beobachter von ihrer Suche zurück und wurden am HohneHof von der Rangerin Biggi Patzelt mit frischgebackenem Brot, Kräuterquark und Brennnesseltee empfangen. So gestärkt konnte dann auch die Auswertung der Zählbögen erfolgen.

Im Anschluss stand dann noch einmal ein ganz anderes Thema im Vordergrund. Die einzelnen Jugendgruppen wurden nach ihrer Meinung zu den bisher durchgeführten Veranstaltungen befragt. Was hat euch gefallen? Was gar nicht? Habt ihr eigene Ideen für zukünftige Projekte? All diese Fragen wurden besprochen und mit tollen Ideen für zukünftige Projekte belohnt. Zum späten Nachmittag lag ein spannender und lehrreicher Tag hinter den Junior-Rangern.

Das Birdrace hat vielen Teilnehmer sehr gut gefallen. So gab es gleich im Anschluss den Wunsch nach einem mehrere Stunden dauernden „Langen Birdrace". Ebenfalls meldeten sich bereits Junior- Ranger an, um bei einer Beringung von Wasseramseln dabei zu sein. Es ist also davon auszugehen, dass einige Vogelbegeisterte auch zukünftig den "Vögeln auf der Spur" sein werden.

Wildniscamp der Kinder- und Jugendgruppen 2015

Expedition ins Harzer Tierreich – Forschen, Entdecken & Helfen

Vom 23. bis 26. Juni 2015 wagten sich 22 mutige Kinder der Junior-Ranger-Gruppen des Nationalparks zusammen mit ihren BetreuerInnen hinein in die Harzer Wildnis.

Zuvor hatten sie vom Nationalpark den Auftrag erhalten die Harzer Wildtiere zu erforschen. Sie sollten sich den Fragen „Gibt es noch Wildtiere im Nationalpark?" und „Sind sie zahlreich vorhanden und vor allem welche Gefahren lauern auf sie?" stellen. Am Donnerstag starteten die jungen ForscherInnen erst einmal damit, das Forschercamp zu finden. So machten sich drei Gruppen ausgerüstet mit Kompassen und Hinweisen auf den Weg zum Camp.

Im diesjährigen Wildniscamp wurde neben den Wildtieren ebenfalls ein Schwerpunkt auf das Essen gesetzt. Am ersten Abend setzten wir uns damit auseinander, was Familien in anderen Ländern in einer Woche an Lebensmitteln konsumieren. Die Kinder waren erstaunt, wie unterschiedlich (sowohl in Mengen, als auch in der Art und Frische) sich das Essen zusammensetzt. Außerdem behandelten wir das Thema Fleischkonsum – seine Auswirkungen auf die Natur und die Wildtiere, wie es konventionell oder in Bio-Qualität hergestellt wird und wieviel Fleisch wir essen wollen. Dadurch kamen die Kinder zu dem Entschluss, während des Wildniscamps bewusst weniger Fleisch zu essen.

Im Laufe des Camps bearbeiteten die Kinder fleißig den Forscherauftrag und nahmen motiviert an den Exkursionen und Vorträgen teil. Frank Raimer erzählte am Lagerfeuer Geschichten über das Harzer Rotwild, die Kinder waren mit den Rangern auf Spurensuche und nachts mit den Fledermausdetektoren auf Fledermausexkursion am Silberteich unterwegs.

Am Freitagnachmittag machte die Gruppe sich dann mit Hilfe eines Telemetriegerätes auf die Suche nach dem (von uns erfundenen) Luchs M37. Sie wurden fündig – doch was war passiert? Anstatt eines Luchses fanden die ForscherInnen ein Wildererlager. In diesem befand sich das Senderhalsband des Luchses - doch kein Luchs, unzählige Tierfelle, eine schockierende Mail sowie die entsetzlichen Pläne des Wilderers... Der offensichtlich bereits gefangene Luchs sollte als Präparat nach China verkauft und viele weitere Tiere mit Hilfe von Fallen gefangen werden um Fell, Geweih und Fleisch auf dem Schwarzmarkt weiter zu verkaufen! Zum großen Entsetzen der Kinder kam der Wilderer auch noch zurück und entdeckte die Gruppe. Doch zum Glück schafften es alle Teilnehmenden zu flüchten und sich in Sicherheit zu bringen.

Eines der Kinder hatte die Karte aus dem Lager mitgenommen, in der der Wilderer seine Fallen eingezeichnet hatte. Diese Fallen galt es jetzt erst einmal zu suchen, zu finden, zu zerstören und abzubauen! Von diesem Zeitpunkt an, wurde der Wilderer immer wieder von dem einen oder anderen Kind gesichtet: „Da ich hab was gesehen, ein Schatten!", hörten wir immer wieder eins der Kinder rufen. Tatsächlich erschien er noch ein weiteres Mal...

Am nächsten Tag schaffte er es dann auch noch zum Frust aller, die Gruppe mit Hilfe einer Wolfsgeheul-Attrappe aus dem Camp zu locken. In dieser Zeit stahl er uns dann einfach die Süßigkeiten und das Abendessen für diesen Tag. Was nun? Fest stand, der Wilderer muss gefangen und aufgehalten werden! Und gleichzeitig musste etwas zu essen für den Abend her. Das Glück lag auf unserer Seite. Wir trafen auf den verletzten Förster Ullrich, der auf der Flucht vor dem Wilderer seinen Knöchel angeknackst hatte. Er hatte gerade ein frisches Reh geschossen, welches er den jungen ForscherInnen als Dank für die Hilfe überließ. Das Abendessen war gerettet! Nun wurde noch eine Falle gebastelt und eine Süßigkeiten Lockspur gelegt, um den Wilderer zu fangen. Gesagt – getan – erfolgreich konnten wir ihn schnappen! Gebannt hatten die Kinder auf diesen Moment gewartet. Die jungen ForscherInnen bombadierten ihn mit Fragen und überzeugten ihn, die Wildtiere nicht mehr illegal zu jagen sondern zu schützen.

Leider spielte uns dieses Jahr das Wetter einen Streich. Die Harzer Wildnis zeigte sich in ihrer vollen Stärke. Auf Grund des Sturmes mussten wir das Camp frühzeitig am Samstagabend beenden. Zu unserer großen Erleichterung konnten alle Kinder unversehrt von ihren Eltern nach Hause gebracht werden.

Das hatte es in den vorherigen 15 Wildniscamps noch nie gegeben... Doch trotz diesem frühzeitigen Ende ist es eine sehr gelungene, spannende und lehrreiche Veranstaltung gewesen, die den Kindern wie den BetreuerInnen viel Spaß bereitet hat

2015 stand ganz im Zeichen der Wildtierbotschafter

2015 standen die Aktivitäten der Junior-Ranger-Gruppen des Nationalparks Harz ganz im Zeichen des Wildtierbotschafter-Projektes, dem ersten gruppenübergreifenden Vorhaben für ältere Junior-Ranger. 20 Kinder im Alter zwischen 10 und 16 Jahren wollten noch aktiver für den Naturschutz werden. Ihr Ziel war es, bei Menschen in ihrer Region Sympathien für ausgewählte besonders schützenswerte Tiere zu wecken, die in der Nationalparkregion heimisch sind oder es vielleicht wieder werden.

Für die dafür notwendige fundierte Ausbildung konnten wir einige Experten des Nationalparks begeistern. Mit anschaulichen und spannenden Vorträgen wurde über Feuersalamander, Luchs und Wolf, Fledermäuse, Wasseramsel und Wildkatze informiert. Daneben haben die Experten auch dargestellt, was die Kinder in der Praxis für die Tiere tun können. Natürlich gab es noch eine Menge Fragen der Kinder.

Die Kinder hielten ihr neu erworbenes Wissen in ihrem Wildtierbotschafter-Pass fest, der sie durch ihre Ausbildung begleitete. Nach dem Workshop trafen die Kinder in ihren Gruppen eine Auswahl an Tieren, für die sie persönlich aktiv werden wollten. Die Ausbildung ging dann in den einzelnen Junior-Ranger-Gruppen weiter und die Kinder waren aufgefordert, sich selbst in Eigenarbeit weiteres Wissen zu den ausgewählten Tieren anzueignen. Nach einer Generalprobe in ihren Gruppen, bei der sie den anderen Junior-Rangern ihr neu erworbenes Wissen auf vielfältige Art und Weise nahe brachten, konnten sie auch in der Öffentlichkeit aktiv werden. Sie informierten über die schützenswerten Tiere in ihren Klassen, bei Festen oder Märkten. Eine Gruppe sammelte z.B. Spenden zur Unterstützung von Herdenschutzmaßnahmen eines Harzer Schafhalters, damit der Wolf auch im Harz willkommen geheißen wird und die Akzeptanz für das eventuell zurückkehrende Tier steigt.

Auch die Gemeinschaftsaktionen der Junior-Ranger-Gruppen standen ganz im Zeichen des Projektes. Beim Wildniscamp bearbeiteten die Kinder einen (fiktiven) Forschungsauftrag des Nationalparks und gingen auf Spurensuche bei ihrer Expedition ins Harzer Tierreich. Besonders aufregend war in diesem Jahr die Begegnung mit einem Wilddieb, der den Harzer Luchsen nachstellte. Glücklicherweise konnte er von den Wildtierbotschaftern gestellt, bekehrt und zur Einsicht gebracht werden.

Die jährliche Junior-Ranger-Fahrt ging ins Wolfsgebiet in die Südheide. Die Kinder trafen die dortigen Wolfsberater und konnten tatsächlich Fährten und andere Spuren ortsansässiger Wölfe verfolgen. Ihr bereits gesammeltes Wissen konnten sie anwenden, vertiefen und erweitern.

Bei der Auszeichnungsaktion, die unter dem Motto stand „Warum Rotkäppchen lügt: vom Wolf und anderen Wildtieren", gestalteten zunächst alle Wildtierbotschafter gemeinsam das Programm des Tages und brachten den Gästen und Familien ihr inzwischen vertieftes Wissen auf vielfältige Art näher. Die Gäste konnten unter anderem einmal nach Nahrung tauchen wie eine Wasseramsel, Gefahren ausweichen wie ein Feuersalamander oder laufen wie ein Wolf. Es gab Informationen zur Wildkatze und Fledermaus und neben drei Wolfsstationen gaben Rotkäppchen und der Wolf gebackene Wolfstatzen gegen eine Spende ab, die ebenfalls für die Herdenschutzmaßnahmen eines Harzer Schafhalters eingesetzt wurden.

Im Anschluss an die Aktivitäten wurden zunächst 16 Jahresplaketten übergeben, 11 Nationalpark-Scouts sowie 5 Junior-Ranger ausgezeichnet. Meike Hullen, die Leiterin des Fachbereichs Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark Harz, überreichte 4 Kindern nicht nur eine Junior-Ranger-Ehrenurkunde für ihr besonderes Engagement, sondern auch ein Buchpräsent. Schließlich erhielten 20 Wildtierbotschafter als Auszeichnung eine Urkunde sowie als Erkennungszeichen, sozusagen als „Berufskleidung", ein Hoodie mit dem Wildtierbotschafterabzeichen.

Damit ist das Projekt aber nicht beendet, denn wir freuen uns auf viele weitere Einsätze unserer Wildtierbotschafter!

Anfang 2016 hatten sie bereits einen eher repräsentativen Einsatz bei der Fusionsjubiläumsfeier des Nationalparks Harz. Hier konnten sie ihr Projekt einer breiten Öffentlichkeit bis hin zu den beiden Ministerpräsidenten Stefan Weil (Niedersachsen) und Dr. Rainer Haseloff (Sachsen-Anhalt) präsentieren.