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Die Harzer Moore

Die ursprünglichen Moore und Moorfichtenwälder zählen zu den besterhaltenen in Deutschland

Moore üben seit Urzeiten eine eigenartige Faszination auf die Menschen aus. Mystische Nebelschwaden und unerklärliche Phänomene haben die Fantasie vieler Generationen beflügelt. So beschreibt Goethe in seinem Faust die Irrlichter in der Walpurgisnacht. Diese nächtlichen Lichter im Moor schrieb man Geistern zu, die Wanderer in die Irre führen und ins Moor ziehen wollen. Auch wenn man heute weiß, dass es sich um entflammte Faulgase handelt, die oft nur als herber Geruch in der Luft liegen - das Geheimnisvolle bleibt.

Wenn das Moor trügerisch zum Wandern über nassen Grund einlädt, ist man auf den Bohlenstegen des Nationalparks sicher. Unbesorgt kann man die magische Stimmung der Moore genießen und Pflanzen oder Tiere entdecken, die in diesem extrem kargen Lebensraum ihre Heimat gefunden haben. Darunter finden sich sogar einige Arten, die seit der letzten Eiszeit hier ausharren und sonst nur in weitaus nördlichen Gefilden beheimatet sind.

Die Harzer Moore haben im Vergleich zu den Mooren der norddeutschen Tiefebene ihre Ursprünglichkeit bewahrt und zählen zu den besterhaltenen in Deutschland. Rund 2.000 ha des Nationalpaarks sind vermoort. Davon sind 500 ha heute besonders seltene weitgehend waldfreie Hoch- und Niedermoore. Torfstechen lohnte sich wegen der feuchtkalten Witterung dieser Hochlagen nicht, da der Torf zu langsam trocknete.

Die meisten Moore liegen im Westteil des Hochharzes zwischen 700 und 1.100 Meter Höhe, denn dort fällt genug Regen. Feucht-kühle Bedingungen und undurchlässiger Untergrund ließen nach der Eiszeit vernässte Bereiche entstehen, in denen Torfmoose seitdem prächtig gedeihen. Im Harz gibt es ca. 25 verschiedene Arten. Diese wurzellosen Moose sind die Grundlage der Moore. Sie wachsen ins Unendliche und sterben dabei am Grunde ab. Da aufgrund der hohen Feuchtigkeit keine vollständige Zersetzung stattfinden kann, entwickelten sich über die Jahrtausende allmählich Moorkörper mit bis zu 7 Meter Mächtigkeit. Die Vegetation der Hochmoore hat dadurch die Verbindung zum Grundwasser verloren. Feuchtigkeit und Nährstoffe entstammen allein dem Regenwasser.

Die Torfmoose versauern ihre Umgebung und schaffen es, das Fünfundzwanzigfache ihres Trockengewichts an Wasser einzulagern. Dadurch liegen Moore wie vollgesogene Schwämme in der Landschaft und bilden extrem nährstoffarme Lebensräume, in denen nur angepasste Arten überleben können.

Ein faszinierender pflanzlicher Bewohner der Moore ist der Rundblättrige Sonnentau. Er wurde zum „Insektenfresser“, um an zusätzliche Nährstoffe zu gelangen. Andere Pflanzen haben sich mit Kleinwüchsigkeit an die rauen Lebensbedingungen angepasst. Die Zwergbirke beispielsweise wird nicht höher als einen halben Meter. Normalerweise ist sie in Skandinavien zuhause, aber auch in den Harzer Mooren bildet sie kleine Bestände. Ein weiterer Zwergstrauch, die Rosmarinheide, wird nur rund 30 cm hoch. Sie blüht von April bis Juni mit hellrosafarbenen Blüten in durchnässten Rinnen. Ihren Namen verdankt sie der Form ihrer Blätter, die dem mediterranen Rosmarin sehr ähnlich sind. Sie ist jedoch in allen Pflanzenteilen stark giftig.

Eine weitverbreitete Charakterpflanze der Hochmoore ist das Scheidige Wollgras. Es malt mit wattig-weißen Samenständen typische Farbtupfer in die Landschaft und trägt mit seinen faserig zerfallenden Blättern zur Torfbildung bei. Ebenfalls charakteristisch sind Heidel-, Krähen-, Preisel- und Moosbeeren.

Letzte bilden die Nahrungsgrundlage für vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge wie den Moosbeeren-Grauspanner oder den ebenfalls seltenen, seit der Eiszeit hier heimischen Hochmoor-Perlmutterfalter. Ihre Raupen fressen die filigranen Triebe der Moosbeere und finden damit im Harz einen der letzten Zufluchtsorte.

An den vielen kleinen Wasserstellen im Moor fühlen sich auch die Arktische Smaragdlibelle und die Alpen-Smaragdlibelle wohl. Beide sind große Seltenheiten in Mitteleuropa und in Deutschland stark gefährdet. In den Harzer Hochmooren finden beide die arktisch-alpinen Lebensbedingungen, an die sie anpasst sind.

Durch ihre Ursprünglichkeit und das eher skandinavisch geprägte Klima haben die Harzer Moore als Rückzugsraum für seltene Arten eine europaweite Bedeutung für den Naturschutz und die Wissenschaft.