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Fließgewässer

Wilde Quellen, Bäche und Flüsse - den Mooren entsprungen

Überall im Harz wird man vom Gemurmel des Wassers begleitet, mal leise in der Ferne und mal geräuschvoll aus der Nähe. Es entspringt den Mooren der Hochlagen, schlängelt sich in kleinen Windungen oder fällt brausend in unzähligen kleinen Wasserfällen den Berg hinunter.

Von Erlen und Eschen gesäumt vereinen sich die Quellen zu plätschernden Bächen und rauschenden Flüssen. Im Norden sind es Ecker, Oker und Ilse, im Süden Oder, Sieber und zwei Bodearme sowie im Osten die Holtemme, die das Fließgeschehen bestimmen.

Das Wasser der Harzer Bergbäche ist kalt und sauerstoffreich. Mal ist es kristallklar, mal von den pflanzlichen Stoffen der Moore sauer und braun gefärbt. Zur Schneeschmelze bahnt es sich ungebändigt seinen Weg und gestaltet Bachbetten nach Belieben. Trotz seines wilden Naturells ist das Wasser der Harzer Wälder Lebensquell für zahlreiche Pflanzen und Tiere.

Reiches Leben am und im Wasser

Algen, Moose und Flechten trotzen den wilden Fluten und wachsen im feuchten Bachbett. Unter Wasser leben Insekten- und Fischlarven, abgeflachte Strudelwürmer und Flohkrebse im mehrstöckigen und weit verzweigten Lückensystem der Steinsohle. Flussnapfschnecken saugen sich mit ihren kegelförmigen Gehäusen an den umtosten Felsen fest. Hinter Steinen oder in Moospolstern verstecken sich Wasserkäfer. Am Bachgrund lauern die Larven der Zweigestreiften Quelljungfer, einer bis zu acht Zentimeter großen Libellenart, auf Beute.

Auch der Feuersalamander schätzt die naturnahen Bachläufe in den Laub- und Mischwaldgebieten des Nationalparks. Er lebt zwar nicht ganzjährig direkt am Wasser, liebt aber das feuchte Element. Um sich vor Austrocknung zu schützen, ist er deshalb vor allem bei Regenwetter und nachts aktiv. Anders als viele andere mitteleuropäischen Lurche ist der Feuersalamander lebendgebärend. Für die Geburt suchen die Weibchen gerne fischfreie Quellbereiche und langsam fließende Bergbäche auf. Die 25 bis 35 Millimeter großen Larven sind bei der Geburt schon weit entwickelt. Sie tragen Kiemen, haben von Beginn an vier Beine und leben mehrere Monate im Quellbereich. Mit zunehmenden Alter bekommen sie auch die typischen gelb-orangenen Flecken.

Tauchende Vögel und giftige Mäuse

Auf die Larven von Eintagsfliegen und Köcherfliegen in ihren kunstvollen Wohnröhren hat es die Wasseramsel abgesehen. Sie gibt sich über ihre weiße Brust zu erkennen und taucht am Grund der Bäche nach Leckerbissen. Ihre umfangreichen Kugelnester baut sie meist nahe am Wasserrand. Wo sie auftaucht, ist auch die Gebirgsstelze nicht weit, die man wippend auf den Steinen im Bach entdecken kann. Durchs Wasser watend pickt sie nach Käfern, Larven, Krebsen und Weichtieren oder schnappt sich im Wasser treibende Insekten direkt im Flug. Für die Aufzucht ihrer Jungen zieht sie gerne in alte Wasseramselnester ein.

Auch der bunt schillernde Eisvogel lauert seiner Beute von oben auf. Oft sitzt er stundenlang auf einem tief über dem Wasser hängenden Ast, nur um dann im richtigen Moment mit dem dolchartigen Schnabel voran blitzschnell wie ein Pfeil ins Wasser zu tauchen. Kleine Fische, Wasserinsekten, Larven und Kaulquappen stehen auf seinem Speiseplan.

Unter den Vierbeinern hat sich die in Deutschland gefährdete Wasserspitzmaus Ufer und Wasser als Lebensraum erobert. Von der Schnauze zur Schwanzspitze kann sie bis zu 17 Zentimeter messen und ist damit die größte Spitzmausart Europas. Außerdem ist sie einer der wenigen giftigen Säuger Mitteleuropas. Unter ihrer Zunge liegen Giftdrüsen, mit deren Sekret sie Tiere bis Mausgröße lähmen und töten kann. Insektenlarven, Kleinkrebse, Schnecken und oder auch kleine Fische gehören zur Lieblingsnahrung der seltenen Bachbewohnerin. Zur Nahrungssuche taucht sie bis zum Grund und stochert mit ihrer spitzen Schnauze kopfüber zwischen Steinen nach Delikatessen. Bis zu 45 Sekunden kann sie dabei unter Wasser bleiben. Ein spezieller Borstenkiel am Schwanz und Schwimmborsten an den Füßen machen sie zur wendigen Schwimmerin.

Eine Herausforderung für Fische

Von Natur aus sind Fische in den Hochlagen selten - im Harz ist nur die Bachforelle in der Lage, dem wilden Wasser der Harzer Bäche entgegen zu schwimmen. Als erwachsener Fisch ist sie sehr standorttreu und beansprucht ein eigenes Revier. Sie kann bis zu 18 Jahre alt werden. In den ruhigeren Unterläufen der Bäche bewegen sich auch die nachtaktive Groppe und das vom Körperbau an den Aal erinnernde Bachneunauge geschützt zwischen den Steinen. Beide sind europaweit geschützte Fischarten.