Datum: 28.11.2025
Blick hinter die Kulissen des Luchsgeheges: Tierpfleger Paul Bridge erzählt im Video von seiner Arbeit mit den Katzen
Zwei neue Tiere sind ins große Gehege an der Rabenklippe eingezogen. Der Nationalpark Harz beteiligt sich an einem Zuchtprogramm zum Erhalt der bedrohten Art.
Seit diesem Sommer kümmert sich Tierpfleger Paul Bridge um das Wohlergehen der Luchse im Schaugehege des Nationalparks Harz an der Rabenklippe bei Bad Harzburg. Inzwischen kennt er seine Schützlinge Alice, Ellen und Kuder Paul gut und und auch die Katzen haben sich an das neue Gesicht gewöhnt. Paul Bridge verbringt soviel Zeit wie möglich am Gehege und beobachtet das Verhalten der Luchse. „Ich rede viel mit ihnen, damit sie meine Stimme kennen. Auch mein Geruch muss ihnen vertraut werden." Paul legt besonderen Wert darauf, für Beschäftigung der Tiere zu sorgen, zum Beispiel in dem er ihnen „Spielzeug“ wie Kartons oder Bälle aus alten Schläuchen anbietet oder auch stark riechende Gewürze verstreut, in denen sich die Luchse gerne wälzen, um ihren eigenen Geruch zu überdecken. Der gebürtige Engländer ist auch für die Pflege des neuen Zuchtpaares, bestehend aus einem Kuder aus der Schweiz und der Luchsin Rikki aus der Ukraine, zuständig. Diese beiden karpartischen Luchse – eine andere Unterart als die drei Harzer Luchse Alice, Ellen und Paul − sollen hier im Harz künftig im Rahmen eines internationalen Erhaltungszuchtprogramms für Nachwuchs der bedrohten Katzenart sorgen.
IN DIESEM VIDEO ERZÄHLT PAUL BRIDGE VON SEINER ARBEIT ALS TIERPFLEGER IM LUCHSGEHEGE DES NATIONALPARKS HARZ:
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Paul Bridge, der seit 2011 in Deutschland lebt, war zuvor beim Zoo Osnabrück beschäftigt, wollte sich beruflich aber neu orientieren. „Ich wollte sehr gerne im Artenschutz tätig sein und es ist großartig, mit Tieren zu arbeiten, die für eine Auswilderung gezüchtet werden", sagte er mit Blick auf das Erhaltungszuchtprogramm. Auch im Zoo hatte er unter anderem mit Raubtieren zu tun, etwa Vielfraß und Hyänen, war außerdem verantwortlich für das medizinische Tiertraining, mit dem die Tiere für notwendige Untersuchungen und Behandlungen trainiert werden.
Paul Bridge und Ole Anders, der Luchsexperte der Harzer Nationalparkverwaltung, hoffen nun, dass die beiden karpartische Luchse sich im nächsten Frühjahr paaren und Rikki gesunde Junge zur Welt bringt. Die Nationalparkverwaltung Harz kann sich damit aktiv an dem internationalen Erhaltungszuchtprogramm für Luchse beteiligen, für das vom Europäischen Zooverband EAZA – koordiniert durch die Zuchtbuchführerin im Tierpark Bern – geeignete Zuchtpaare zusammengestellt werden. Der Luchs-Nachwuchs soll an Artenschutzprojekte zur Auswilderung abgegeben oder innerhalb des Zuchtprogramms weiter verpaart werden. Lange Zeit hat der Nationalpark Harz ganz bewusst auf die Nachzucht von Luchsen verzichtet, um nicht gezwungen zu sein, in jedem Jahr überzählige Tiere in gute Hände vermitteln zu müssen. Im Jahr 2023 zeigten die Ergebnisse einer mehrtägigen Konferenz in Wöltingerode am Harz, an der sich Luchsexperten aus zahlreichen europäischen Ländern beteiligten, jedoch sehr deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht, wenn man den Luchs in Mitteleuropa über die kommenden Jahrzehnte hinaus erhalten will. Eine Stärkung und Vernetzung der isolierten Populationen wilder Luchse in Europa ist dringend erforderlich und die Erhaltungszucht und Auswilderung nach Meinung der Experten eine geeignete Methode dafür.
Das Luchs-Schaugehege an der Rabenklippe war von Anfang an Teil des Wiederansiedlungsprojekts für Luchse im Harz. Im Rahmen des Harzer Luchsprojektes wurden zwischen Sommer 2000 und Herbst 2006 im Nationalpark Harz insgesamt 24 Luchse (9 Männchen und 15 Weibchen) in die Freiheit entlassen. Alle ausgewilderten Tiere waren Gehegenachzuchten aus europäischen Wildparks, die vor der Freilassung in einem vier Hektar großen Auswilderungsgehege im Nationalpark in den neuen Lebensraum eingewöhnt worden waren. Inzwischen hat sich die einst von Menschen ausgerottete Art im Harz wieder fest etabliert und breitet sich ins Umland aus.
Weitere Informationen über das Harzer Luchsprojekt gibt es hier.