Datum: 17.10.2025
Elektrobefischung in Harzer Gebirgsflüssen: Fabian Schwarz untersucht die Fischfauna im Nationalpark
Alle zwei Jahren werden die Fische in den Gewässern des Schutzgebiets „unter die Lupe" genommen. Im Video erklärt der Gewässerökologe die Methode.
Alle zwei Jahren werden die Fische in den Gewässern des Nationalparks Harz „unter die Lupe" genommen: Im Rahmen des gewässerökologischen Monitorings erfasst Fabian Schwarz, Wissenschaftler bei der Nationalparkverwaltung, die Fischfauna der Fließgewässer mittels Elektrobefischungen. Bei dieser Fangmethode wird den Tieren kein Schaden zufügt. Seit 2021 finden diese Untersuchungen an fest definierten, 200 Meter langen Gewässerabschnitten statt. Schwarz erfasst die gefangenen Arten und die Tiere werden auch vermessen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Bachforelle in beinahe allen Gewässern im Nationalpark die dominante und häufig auch einzige vorkommende Fischart ist.
Die Forelle (Salmo trutta) wird seit 2024 in der neuen Roten Liste für Deutschland erstmals als gefährdete Fischart eingestuft. Im Nationalpark Harz geht es den Forellen gut: An insgesamt acht Fließgewässern im Großschutzgebiet konnte in den zurückliegenden Jahren an mehreren Gewässern ein stabiler und gesunder Bachforellenbestand festgestellt werden. Dies hat sich jüngst bestätigt. An verschiedenen Gewässern wie Oder, Warme Bode und Ilse waren die Fangergebnisse in den fünf Untersuchungsjahren sehr ähnlich, was auf überwiegend stabile Bestände der Bachforelle hindeutet. Insbesondere an kleineren Gewässern unterschieden sich die Fangergebnisse für die Bachforellenbestände jedoch mitunter sehr stark, vor allem hinsichtlich des Aufkommens von Jungfischen. Auch das in der Vergangenheit dokumentierte langsame Größenwachstum der Harzer Bachforellen konnte anhand der Fangergebnisse bestätigt werden.
IN DIESEM VIDEO ERKLÄRT FABIAN SCHWARZ SEINE UNTERSUCHUNGSMETHODE:
Mit dem Aufruf des Videos erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre Daten an YouTube übermittelt werden und das Sie die Datenschutzerklärung gelesen haben.
An sechs der zwölf Untersuchungsstrecken konnte als zweite Fischart die bodenbewohnende Groppe erfasst werden. Für die Große Lonau und die Breitenbeek wurden große und vitale Populationen registriert. An den übrigen Fließgewässern befanden sich die Bestände mitunter in einem nur mittelmäßigen bis schlechten Populationszustand. An einem Gewässer musste sogar das Verschwinden der Groppenpopulation zwischen den beiden Untersuchungen festgestellt werden.
Die Bachforelle (Salmo trutta f. fario) ist eine Erscheinungsform der Forelle. Seit vergangenem Jahr beteiligt sich der Nationalpark Harz an einem Projekt zur Erhaltung des autochthonen (also natürlich entwickelten) Bestands der Oberharzer Bachforelle. Initiiert wurde das Projekt vom Verein zum Schutz der aquatischen Biodiversität und Kulturlandschaften e.V. (SaBiKu). Ziel ist die Nachzucht der aus dem Harz stammenden Fische zur Erhaltung der genetischen Ressourcen.
Hoch spezialisierte und schützenswerte Tierwelt im Nationalpark Harz
Der Nationalpark Harz wird von einer Vielzahl von naturnahen Bächen und kleinen Flüssen
durchzogen und gehört mit seinen rund 685 km Fließstrecke zu den fließgewässerreichsten
Regionen Deutschlands. Die Fließgewässer zeichnen sich durch niedrige Temperaturen,
einen hohen Sauerstoffgehalt, hohe Fließgeschwindigkeiten, grobes Sohlsubstrat und eine
auf Algen, Moose und Flechten reduzierte Wasservegetation aus. Des Weiteren neigen die
Bäche zur Versauerung. Unter diesen Verhältnissen hat sich im Nationalpark Harz eine
überwiegend artenarme, jedoch hoch spezialisierte und schützenswerte Tierwelt ausgebildet.
Viele der Arten können als Bioindikatoren herangezogen werden, um den Zustand und die
Intaktheit von Fließgewässern zu bewerten oder schädliche, von Menschen verursachte
Einflüsse zu detektieren. Dies trifft auch auf den Fischbestand im Nationalpark Harz zu.
Neben der Bachforelle finden sich in den Bächen und Flüssen des Nationalparks als
weitere natürlich vorkommende Fischarten nur die Groppe (Cottus gobio), außerdem das fischähnliche Bachneunauge (Lampetra planeri), eine Art aus der urtümlichen Gruppe der
Rundmäuler. Beide Arten unterliegen dem speziellen Schutz der FFH-Richtlinie der
Europäischen Union.