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Datum: 16.09.2025

Die Harzer Hochmoore - gefährdete Naturschätze in der Klimakrise

Seit rund 20 Jahren untersucht Diplom-Biologin Dr. Kathrin Baumann diese besonderen Ökosysteme

In der Klimakrise spielen Moore eine bedeutende Rolle: als natürliche Kohlenstoffsenken, wenn sie intakte Ökosysteme sind – als Quelle von klimaschädlichen Treibhausgasen, wenn sie austrocknen. Das ist einer der Gründe, warum die Bundesregierung im Jahr 2022 eine Nationale Moorschutzstrategie beschlossen hat. Und darum stehen die Moore auch im besonderen Fokus der Wissenschaft.
Die Landschaft des Hochharzes wird von zahlreichen Mooren geprägt, die meisten davon liegen geschützt im Nationalpark Harz. Sie haben aufgrund ihrer Natürlichkeit eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz. Auch sind sie Lebensraum seltener und bedrohter Tier- und Pflanzenarten, wie beispielsweise der Alpen-Smaragdlibelle. Die Hochmoore im Nationalpark sind die besterhaltenen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, vor allem, weil sich hier der Torfabbau nie rentiert hat. Doch auch hier machen sich Veränderungen bemerkbar: Dürreperioden hinterlassen ihre Spuren, Nährstoffeinträge aus der Luft verändern die Pflanzengemeinschaften.

Auch wissenschaftlich haben die Harzer Moore eine Ausnahmestellung: Deren wissenschaftlich-botanische Untersuchung reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Vergleichbare umfassende Untersuchungen, wie sie bisher über die Moore des Hochharzes durchgeführt wurden, fehlen für alle anderen deutschen Mittelgebirge.

Eine, die die Harzer Moore wie aus der sprichwörtlichen Westentasche kennt, ist Diplom-Biologin Dr. Kathrin Baumann, in den Jahren 2017 bis 2020 die Leiterin des Fachbereichs 2 „Naturschutz, Forschung, Dokumentation" der Nationalparkverwaltung. Sie hat bereits 2006 und 2007 im Auftrag des Nationalparks eine flächendeckende Vegetationskartierung der 26 wichtigsten Hochmoore im niedersächsischen Harz durchgeführt und auch die wichtigsten Moore im sachsen-anhaltischen Harz sind 2008 und 2009 kartiert worden Baumann setzt ihre Untersuchungen im Großschutzgebiet bis heute fort.

Bereits seit 2002 werden 20 Dauerflächen im Ilse-Quellmoor in sachsen-anhaltischen Teil des Nationalparks im zweijährigen Turnus untersucht. Seit 2009 gibt es ein ähnliches Monitoring von insgesamt 80 Flächen in vier niedersächsischen Hochmooren. Der Sinn dieses aufwendigen Programms: „Diese intakten Hochmoore sind hervorragende Untersuchungsobjekte für die Ermittlung der Auswirkungen globaler Einflüsse", betont die Wissenschaftlerin. „Hochmoore sind nicht nur durch direkte Vernichtung, sondern auch durch globale Einflüsse gefährdet, vor allem den Klimawandel und atmosphärische Stickstoffeinträge."

Steigende Temperaturen, weniger Niederschlag

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Lufttemperatur im Untersuchungsgebiet um ca. 1,3 Grad Celsius erhöht. Zudem war eine Abnahme der Sommerniederschläge in den vergangenen 20 Jahren um ca. 10 Prozent festzustellen, berichtet Baumann. Hinzu kommen hohe Stickstoffeinträge durch Ferntransporte aus anderen Gebieten. Vergangene Untersuchungen der MLU Halle-Wittenberg im Nationalparkgebiet belegten dies. So wurde beispielsweise für das Ilsemoor in den Jahren 2002 und 2003 ca. 30 Kilogramm Stickstoff- Eintrag pro Hektar im Jahr über den Freiflächenniederschlag gemessen.

Moore werden derzeit in den Medien und in der Öffentlichkeit sowohl als Klimaopfer, Klimaretter oder gar Klimakiller betrachtet. „Intakte, wachsende Hochmoore speichern Kohlenstoff, sind also eine Kohlenstoffsenke. Gleichzeitig setzen sie aber auch klimarelevantes Methan frei, so dass ihre Klimabilanz insgesamt ausgeglichen ist", erläutert die Expertin die Zusammenhänge und verweist auf entsprechende Informationen des Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU): Ausgetrocknete und insbesondere aktiv entwässerte Moore geben jedoch die über Jahrtausende gespeicherten Kohlenstoffvorräte durch Zersetzung des Torfs an die Atmosphäre ab, sind also eine erhebliche Quelle für Treibhausgase und somit klimaschädlich. In Niedersachsen waren laut MU im Jahr 2010 Moore für 11 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – und weitere 1,7 Prozent durch Nutzung von Torfabbau-Produkten.

Wie steht es also um die Moore im Nationalpark? Deren Vegetation hat sich im Verlauf der vergangenen 15 Jahre deutlich verändert, insbesondere die Besenheide als wenig nässetolerante Art hat sich stark ausgebreitet. „Die festgestellten Veränderungen in der Moorvegetation deuten auf Austrocknung beziehungsweise eine verbesserte Nährstoffversorgung hin", berichtet Baumann. Dies ist eine direkte Folge des Klimawandels und wird durch die festgestellten Stickstoffeinträge wahrscheinlich verstärkt. Baumann ist über die Veränderungen sehr besorgt, betont aber: „Es sind trotzdem weiterhin die am besten erhaltene Moore in Niedersachsen und Sachsen-Anhalts und sie sind derzeit noch eine Kohlenstoff-Senke. Das hat eine aktuelle Untersuchung der Universität Göttingen gezeigt."
Die Nationalparkverwaltung überlegt aktuell, die mit der Fusion der beiden Nationalparke im Jahr 2006 eingestellten Renaturierungsmaßnahmen wieder aufleben zu lassen. Hierfür soll zunächst mittelfristig ein Fachkonzept erarbeitet werden, in dem vorhandene Defizite identifiziert, mögliche Potenziale aufgezeigt und erforderliche Grundlagen für eine konkretere Maßnahmenplanung benannt werden.