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Datum: 07.09.2023

Grasmähen für Brockenanemonen: Landschaftspflegeverband Harz pflegt Brocken-Biotope

Um die Zwergstrauchheide auf dem Brockenplateau zu erhalten, ist es erforderlich, den starken Graswuchs in Schach zu halten.

Um die bedrohten Brockenanemonen zu schützen und ihren Lebensraum, die Zwergstrauchheide auf dem Brockenplateau, zu erhalten, ist es erforderlich, den starken Graswuchs oben auf dem Berggipfel in Schach zu halten. Die ohnehin konkurrenzstarken Gräser, die zudem von dem Nährstoffeintrag aus der Luft und aus den Niederschlägen profitieren, würden die Flächen sonst rasch überwuchern und die bedrohten Pflanzenarten des Brockenplateaus verdrängen.
Darum wird ein Areal dort oben mit Harzer Rotem Höhenvieh von Brockenbauerfamilie Thielecke beweidet: Den Rindern dient das Gras als Nahrung und sie halten den Lebensraum der Brockenanemonen offen, auch in dem sie mit ihren Hufen die Grasnarbe durchtreten. Darüber hinaus sind auf den Flächen, die nicht beweidet werden, ebenfalls Biotoppflegemaßnahmen notwendig, um die sich bereits seit mehreren Jahren der Landschaftspflegeverband Harz e. V. kümmert.

So entsteht insgesamt ein enges Nebeneinander von extensiv beweidet, gemähten sowie ungenutzten Flächen, was die Strukturvielfalt erhöht und wovon neben der Pflanzenwelt wiederum auch die Tierwelt profitiert, z. B. der Charaktervogel des Brockens, der Wiesenpieper (Anthus pratensis).


Mahd wirkt sich positiv auf die Vegetationsentwicklung aus

Seit Anfang dieser Woche sind Kerstin Rieche, die Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Harz, ihr Mann Dirk und weitere freiwillige Helferinnen und Helfer auf dem Brockenplateau im Einsatz: Sie mähen das Gras, harken es zusammen und fahren es ab. Es ist wichtig, diese Biomasse aus der Fläche zu entfernen und so den Überschuss an Nährstoffen zu reduzieren. Der Grasschnitt kann entweder ebenfalls als Viehfutter verwendet werden oder wird kompostiert. Diese Mäharbeiten finden immer im Spätsommer auf mehreren ausgewählten Flächen statt. Dabei soll später auch anhand der Vegetationsentwickung verglichen werden, ob und wie sich die beweideten Flächen von den gemähten unterscheiden. Die Vegetationsuntersuchungen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass sich die alljährliche Mahd der Brockenkuppe durch den Landschaftspflegeverband bereits positiv auf die Vegetationsentwicklung auswirkt. Insgesamt sind es rund zwei bis drei Hektar, um die sich das Team des Landschaftspflegeverbands kümmert. Das dauert drei bis fünf Tage, berichtet Kerstin Rieche, die Diplom-Agraringenieurin ist. Die Bergwiesenpflege ist eine Hauptaufgabe ihres Verbandes, erläutert sie. Das Brockenplateau gehört übrigens zur sogenannten Nutzungszone innerhalb des Nationalparkgebiets: Dort sind – wie auch auf einigen Bergwiesen im Großschutzgebiet – dauerhaft Eingriffe notwendig, um die Biotope mit ihren bedrohten Pflanzenarten zu erhalten. Würde mit Beweidung oder Mahd aufgehört, würden Gräser, Büsche oder Bäume diese Wiesen bald überwuchern.

Die Schutzgebietsfläche ist in drei verschiedene Zonen gegliedert. Als Nutzungszonen sind kulturhistorisch wertvolle Flächen wie Bergwiesen, Bergheiden und Schwermetallrasen ausgewiesen. Hier werden langfristig Pflegemaßnahmen durchgeführt. Zudem fallen einige Siedlungs- sowie touristische Erholungsbereiche in die Nutzungszone, beispielsweise die beliebten Rodelhänge am Torfhaus. Die Nutzungszone hat den kleinsten Anteil und beträgt nur 0,7 % der Gesamtfläche des Schutzgebiets. Den weitaus größten Anteil hat die Naturdynamikzone, oft auch Kernzone genannt: Dazu zählen inzwischen drei Viertel der Nationalparkfläche. Hier wird die Natur ganz sich selbst überlassen, damit eine dynamische Entwicklung ohne menschliche Eingriffe stattfinden kann. Es entsteht neue Wildnis. Die dritte Kategorie ist die Naturentwicklungszone: Hier sind derzeit noch schonende Entwicklungsmaßnahmen erforderlich, damit sich auch diese Flächen zur Naturdynamikzone weiterentwickeln. Dazu gehört beispielsweise das Pflanzen von Laubbäumen auf geeigneten Standorten in den unteren Lagen des Nationalparks, wo bisher Fichtenforste standen. Dies ist notwendig, weil vielerorts die Samenbäume fehlen und keine natürliche Ausbreitung der Laubbäume stattfinden kann.

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