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Datum: 04.04.2023

Kälteliebendes Insekt: Für die „Libelle des Jahres 2023" trägt der Nationalpark besondere Verantwortung

Artenvielfalt im Harzer Schutzgebiet: In diesem Jahr sind viele der „Natur des Jahres"-Arten im Nationalpark Harz heimisch.

In jedem Jahr werden in Deutschland von verschiedenen Naturschutzorganisationen mehrere Tier- und Pflanzenarten, aber auch besondere Lebensräume als „Natur des Jahres" nominiert. Damit soll den Menschen die Gefährdung dieser Arten deutlich gemacht werden und die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihren Schutz gelenkt werden. Es gibt beispielsweise das Wildtier des Jahres, den Fisch und das Insekt des Jahres, ebenso wie Baum und Blume des Jahres. Ihnen allen gemein ist, dass sie gefährdet sind – zumindest aber, dass Grund zur Sorge besteht, weil sich ihr Bestand negativ entwickelt oder ihre Lebensräume bedroht sind.

In diesem Jahr sind besonders viele der „Natur des Jahres"-Arten im Nationalpark Harz heimisch, was die Artenvielfalt und den herausragenden Stellenwert dieses Großschutzgebietes unterstreicht: Das „Wildtier des Jahres", der Gartenschläfer, das „Insekt des Jahres", das Landkärtchen, der „Schmetterling des Jahres", das Ampfer-Grünwidderchen, die „Libelle des Jahres", die Alpen-Smaragdlibelle, das „Höhlentier des Jahres", der Feuersalamander, der „Baum des Jahres", die Moorbirke, der „Pilz des Jahres", der Sumpf-Haubenpilz, und die „Flechte des Jahres", die Falsche Rentierflechte – sie alle sind im Nationalpark zu finden.

Nationalpark Harz ist Heimat vieler gefährdeter Tier- und Pflanzenarten

Der Nationalpark Harz ist ein Naturschutzgebiet der höchsten internationalen Kategorie. Sein Zweck ist es insbesondere, die natürliche Vielfalt an Lebensräumen, Lebensgemeinschaften und Tier- und Pflanzenarten des Harzes zu erhalten. Zudem ist der Nationalpark ein Europäisches Vogelschutzgebiet. Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten haben im Nationalpark Harz ihren Lebensraum – viele davon sind in Deutschland in ihrem Bestand gefährdet und deshalb besonders geschützt. So kommen hier 39 Tier- und Pflanzenarten vor, die gemäß der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union einen besonderen Schutzstatus haben. Bei mehreren Arten trägt der Nationalpark regional, bundesweit oder sogar auf europäischer Ebene eine besondere Verantwortung für ihren Schutz und Erhalt, zum Beispiel für Wildkatze und Luchs, für sämtlich der 18 hier vorkommenden Fledermausarten oder für Wanderfalke, Schwarzstorch und Ringdrossel.

Aus dem Insektenreich ist die Alpen-Smaragdlibelle, die „Libelle des Jahres 2023", eine dieser Tierarten, für die der Nationalpark besondere Verantwortung trägt. Die Alpen-Smaragdlibelle ist eine in ganz Deutschland seltene Großlibelle. Sie zählt zu den Verliererinnen des Klimawandels und ist vom Aussterben bedroht, begründen Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Verband der Libellenkundler*innen, die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO), ihre Wahl zur „Libelle des Jahres". Das Verbreitungsgebiet dieser kälteliebenden Libellenart erstreckt sich über den Polarkreis hinaus nach Norden, in Europa ist sie beispielsweise in Norwegen heimisch. In Deutschland kommt sie nur in Lagen über 750 Meter Meereshöhe vor, etwa in den bayerischen Alpen oder den höheren Mittelgebirgen wie dem Harz. In Mitteleuropa ist die Art eng an Moore gebunden, wo sie kleine, flache Gewässer (z.B. Schlenken) zur Fortpflanzung nutzt. Die Larven benötigen für ihre Entwicklung zum erwachsenen Fluginsekt meist 3 bis 4 Jahre und sind durch ihre Toleranz gegenüber kurzzeitiger Austrocknung sowie Einfrieren gut an das Leben in kleinen Moorschlenken angepasst.

Klimawandel wirkt sich besonders stark auf die Lebensräume der Libellen aus

Gefährdet ist diese Libellenart in Deutschland vor allem deshalb, weil sich der Klimawandel besonders stark auf diese – ohnehin seltenen – Lebensräume auswirkt, vor allem durch längerfristige oder dauerhafte Austrocknung und eine für die Larven schädliche Temperaturerhöhung. Der Fortbestand dieser Art ist auch im Harz bedroht, die Bestände sind in jüngster Zeit hier stark rückläufig. Zahlreiche Moorgewässer im Nationalpark sind im vergangenen Jahr in einem ähnlichen Maß ausgetrocknet wie schon im Jahr 2018. Erschwerend hinzu kommt die starke Isolation der Vorkommen, da in Mittelgebirgen wie dem Harz kein Ausweichen nach oben oder in angrenzende Regionen möglich ist. „Diese Wirkungen bedingen und verstärken sich gegenseitig und in Kombination mit der ohnehin schon gegebenen Seltenheit besteht daher in den Mittelgebirgen eine sehr große Aussterbewahrscheinlichkeit", mahnen BUND und GdO. Notwendig zum Schutz und Erhalt dieser Art ist ein fortgeführter intensiver Schutz ihrer Lebensräume wie der Harzer Hochmoore. Dieser könne aber nur erfolgreich sein, wenn gesamtgesellschaftlich dem Klimawandel begegnet werde, fordern die beiden Organisationen: „Bei der Alpen-Smaragdlibelle wird dies sehr deutlich, da schon angelaufene und zunächst gut funktionierende Maßnahmen zur Verbesserung und Revitalisierung der Moorlebensräume durch die Trockenheit der letzten Jahre konterkariert werden und es unsicher ist, wie diese Habitate sich weiter entwickeln werden."

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