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Datum: 11.12.2021

Der Brocken - Berg der Superlative

Zu Besuch auf Norddeutschlands höchstem Berg

Eine Wanderung auf den Brocken, den höchsten Berg Norddeutschlands, gehört zu den Höhepunkten eines Besuchs im Nationalpark Harz. Innerhalb weniger Stunden durchwandert man eine rasche Abfolge von Landschaften: von den Buchenwäldern der tieferen Lagen über die urwüchsige Wildnis des Bergfichtenwalds bis zur Zwergstrauchheide der Brockenkuppe.

Auf dem Bergplateau bietet sich mit ein wenig Glück an einem wolkenlosen Tag eine Fernsicht über die umliegenden Landschaften bis hin zum 230 Kilometer weit entfernten Erzgebirge.

Doch der Brocken zeigt sich oft auch von seiner rauen Seite. Niedrige Temperaturen, hohe Niederschläge und extreme Windgeschwindigkeiten − das Klima auf Norddeutschlands höchstem Berg ist so rau wie auf Island. Im Jahresdurchschnitt ist der Brocken der windigste Berg Deutschlands, die mittleren Temperaturen liegen gerade mal bei 4°C und mit über 300 Nebeltagen im Jahr ist der Brocken auch hier Spitzenreiter. 

Das hat Folgen: zum Beispiel eine natürliche Waldgrenze, die im Harz klimatisch bedingt schon bei rund 1.100 Metern liegt − und damit ca. 1000 Meter tiefer als in den Alpen − einzigartig für die deutschen Mittelgebirge. An den Hängen des Brockens hat sich mit dem sogenannten „Brockenurwald" ein kleiner Rest nahezu unberührten natürlichen Fichtenwaldes erhalten − einer der letzten in Mittel- und Nordwesteuropa. Zur Waldgrenze hin − in der sogenannten Kampfzone − werden sogar 200 Jahre alte Fichten nicht größer als 4 Meter und oberhalb der Waldgrenze gibt es nur wenige kleinwüchsige Fichten und Zwergsträucher.

Der Brocken gilt geografisch sogar als der dominanteste Berg in Deutschland: Er ist in einem Umkreis von mehr als 220 Kilometern die höchste Erhebung. Felsen und Zwergstrauchheide auf der Brockenkuppe sind ganz besondere Lebensräume, wo botanische Raritäten wie die Brocken-Anemone und das Brocken-Habichtskraut wachsen und die seltene Ringdrossel brütet.

Ausflugstipps auf der Brockenkuppe

Auf dem Gipfel oberhalb der natürlichen Waldgrenze angekommen, lohnt sich eine Wanderung rund um die Brockenkuppe auf dem Brockenrundweg, ganz individuell oder auf der täglichen Tour mit dem Ranger. Danach sollten Besucher auf alle Fälle noch Zeit für einen Besuch der Multimedia-Ausstellung im Nationalpark-Besucherzentrum Brockenhaus einplanen. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober hat auch der Brockengarten seine Pforten geöffnet.

Das Nationalpark-Besucherzentrum Brockenhaus auf dem Brockengipfel

Ein Besuch auf Norddeutschlands höchstem Berg ist nicht vollständig ohne Abstecher in das auch baulich markante Nationalpark-Besucherzentrum Brockenhaus. Auf drei Etagen erwartet die Brockengäste hier eine multimediale Erlebnisreise zur Geschichte und Natur des faszinierenden Berges. Zunächst tauchen Sie in die Welt der Mythen und Sagen ein, erleben die wechselhafte Geschichte des Berges und die spannenden Geschichten berühmter Brockenbesucher.

Ein weiterer Ausstellungsteil ist den wertvollen Biotopen und Arten im Nationalpark Harz und insbesondere rings um den Brocken gewidmet. Begleiten Sie den Wald bei seinem natürlichen Wandel zur Wildnis, tauchen Sie ein in den Brockenurwald, blicken Sie tief in die Klüfte einer Blockhalde oder entdecken Sie das reiche Leben in einem Totholzstamm. Zahlreiche Bewohner des auch durch das europäische Netzwerk NATURA2000 geschützten Nationalpark-Gebietes lassen sich hier entdecken. Den Jahreszeiten, Wetterextremen und Wetterrekorden des Brockens widmet sich die Empore. Weiter geht es mit Themen zur Deutschen Teilung, der geheimdienstlichen Vergangenheit der ehemaligen Stasi-Abhörzentrale "Urian" und der Deutschen Funk- und Fernsehgeschichte auf dem Brocken.
Nach einem Besuch der Kuppel mit imposanten Abhöreinrichtungen der DDR-Zeit, spannenden Mitmach-Stationen zum Thema Spionage und Überwachung lockt die Aussichtsplattform mit 360°-Rundumblick. Ausklingen lässt sich der Besuch im Brockenhaus im Café Hexenflug mit Blick durch das Panoramafenster.

Auf dem Weg zum Brocken - Die "Baustelle Natur" erleben

Rund um den Brocken zeigt sich der Waldwandel in seiner ganzen Intensität. Die dramatischen Veränderungen werfen bei vielen Brocken-Gästen Fragen auf. Deshalb entstanden über den Winter 2019/2020 eine Infostation im Nationalparkhaus Schierke und verschiedene Themeninseln entlang der Brockenstraße. Sie erklären die aktuellen Waldbilder, die aufmerksamen Wanderern auf einer Tour zum Brockengipfel begegnen. Anhand von Panoramafotos und passenden Sichtachsen lässt sich die Entwicklung der Standorte zukünftig selbst verfolgen.

Unter dem Motto "Baustelle Natur - Hier baut die Natur die neue Wildnis" erlauben die Themeninseln Einblicke hinter die Kulissen des aktuell rasant beobachtbaren Waldwandels und erläutern, warum tote Bäume im Nationalpark nicht das Ende des Waldes, sondern den Beginn der neuen Waldwildnis einläuten. Sie erklären, warum und wo der Nationalpark noch in Naturgeschehnisse eingreift, warum mancherorts Laubbäume gepflanzt werden, was bei der Borkenkäfersicherung geschieht oder warum nach Verkehrssicherungsmaßnahmen manchmal halbe Bäume an den Wegrändern verbleiben. Auch ein Blick auf die Besonderheiten des Brocken-Urwaldes fehlt natürlich nicht.