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Datum: 30.01.2019

7.2.: Vortrag zur Vogelforschung im Nationalpark Harz

Nationalpark-Ornithologin Caren Pertl berichtet im Rathaussaal Schierke zu den Auswirkungen des aktuellen Waldwandels auf verschiedenste Vogelarten

Die Ornithologin Caren Pertl erforscht die Vogelwelt im Nationalpark Harz. Ihre Erkenntnisse zu den Auswirkungen des aktuellen Waldwandels auf verschiedenste Vogelarten sind derzeit in vielen Medien präsent. Am 7. Februar 2019 berichtet sie ab 17 Uhr im Rathaussaal Schierke über ihre Arbeit. Anhand aktueller Monitoring-Ergebnisse zeigt sie den Einfluss der natürlichen Waldentwicklung im Nationalpark Harz auf die Artenvielfalt der Vogelwelt. Sie stellt Forschungsmethoden und besondere Arten wie z. B. Schwarzstorch, Ringdrossel oder Raufußkauz vor. Der Eintritt ist frei.

 

Bundesweit wird auf quadratkilometergroßen Probeflächen das Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) durchgeführt. Ziel dieses Programmes ist es, langfristige Bestandsentwicklungen häufig vorkommender Vogelarten zu dokumentieren. Insgesamt gibt es in Deutschland 2544 dieser Probeflächen (DDA 2018). Im Nationalpark Harz wurde ein verdichtetes Stichprobennetz mit 28 Monitoringflächen eingerichtet. Eine dieser Probeflächen befindet sich am Achtermann zwischen Oderbrück und Königskrug.

Der Achtermann nahe Königskrug liegt in den Hochlagen des Nationalparks Harz. Er ist der dritthöchste Berg Niedersachsens und der vierthöchste Berg des Harzes. Zwischen rund 750 und 900 m ü. NHN liegt hier einer der Bereiche, in denen in den letzten Jahren eine starke Naturdynamik den Wandel zu einem naturnahen Wald eingeleitet hat. Borkenkäfer ließen die alten Fichten absterben, zwischen den zahlreichen toten Stämmen keimt die neue Wildnis. Ergebnisse des langfristig angelegten Monitoringprogramms zeigen Auswirkungen dieser natürlichen Waldentwicklung auf die Vogelwelt. Auf einer am Achtermann gelegenen Probefläche konnten 2018 deutlich mehr Vogelarten erfasst werden als zehn Jahr zuvor.

Im Jahr 2008 war diese Fläche größtenteils noch dicht mit vitalen Fichten bewachsen, auch wenn sich bereits einige Borkenkäfervorkommen zeigten. Zehn Jahre später sieht das Bild ganz anders aus: Sturm und Borkenkäfer haben die Fläche im Laufe der Jahre stark verändert.

Die veränderten Bedingungen machen sich auch bei den dort vorkommenden Arten bemerkbar: auf den ersten Blick erkennt man, dass 2018 deutlich mehr Vogelarten auf der Probefläche erfasst werden konnten als 2008. Das heißt nicht, dass all diese Arten automatisch dort gebrütet haben, der Turmfalke z. B. mit Sicherheit nicht. Für einige Vogelarten erschließen sich in den totholzreichen, lichten Bereichen jedoch durch die vielfältigeren Strukturen auch andere Nutzungsformen, z. B. als Nahrungs- bzw. Jagdflächen.

Auffällig sind in diesem Zusammenhang die Beobachtungen der Tag- und Nachtgreife Rotmilan, Mäusebussard, Turmfalke, Raufuß- und Sperlingskauz: sie alle haben in dicht geschlossenen Fichtenforsten äußerst schlechte Karten auf Jagderfolg. Die Käuze profitieren zudem von den Spechthöhlen, die in stehendem Totholz vermehrt vorkommen. Da sie selbst keine Höhlen bauen können, brauchen sie die Spechte als „Vorarbeiter“.

Auch einen Wendehals wird man in einförmigen Fichtenbeständen nicht finden: eigentlich eine Art der Streuobstwiesen, war dieser Vogel vermutlich noch auf dem Rückweg aus dem Überwinterungsgebiet und hat eine Rast im Oberharz eingelegt, als er sich im April 2018 bemerkbar machte.

Baumpieper wiederum, 2018 zahlreich auf der Probefläche vertreten, scheinen von der Entwicklung im Nationalpark Harz direkt zu profitieren: während die Baumpieper hier eine stabile bis leicht positive Bestandsentwicklung aufzeigen, zeigen sich auf europäischer (EBCC/BirdLife/RSPB/CSO 2018), aber auch bundesweiter Ebene negative Tendenzen (Gedeon et al. 2014). 

Selbstverständlich lassen sich die Ergebnisse aus zwei Erfassungsjahren auf einer Probefläche nicht für den gesamten Harz verallgemeinern. Dennoch zeigt dieses Beispiel die Entwicklungsmöglichkeiten, die diese auf den ersten Blick „tot“ wirkenden Lebensräume bieten. Nicht nur Vögel, auch zahlreiche weitere Arten profitieren von der natürlichen Walddynamik, die aktuell in vielen Bereichen des Nationalparks Harz erkennbar ist.