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Kunstausstellung „NATUR – MENSCH“

Die Preisträger der 23. Kunstausstellung „NATUR – MENSCH“ 2017

Laudatio

Guten Abend, liebe Gäste,

auch von mir ein  herzliches Willkommen zur heutigen Vernissage der Ausstellung ,,Natur – Mensch“. Gleich zuBeginn dieser einführenden Worte möchte ich die spannende Frage stellen: Wie nehmen Menschen des 21. Jahrhunderts Natur wahr, wie ist ihr Verhältnis zur Natur? Antworten hierauf finden sich in den Beiträgen der Künstlerinnen und Künstler, die sich an dieser Ausstellung mit ihren Werken beteiligen, die sie eigens dafür geschaffen haben. Sie sind dabei zu unterschiedlichen Lösungen und Ansichten gekommen, was durchaus gewünscht ist. Ihre Arbeiten präsentieren die Kunstschaffenden in Form von Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation oder Fotografie. Für ihr kreatives künstlerisches Tun und die Bereitschaft ihre Kunstwerke in die Ausstellung zu geben, gilt ihnen zunächst unser besonderer Dank.

Die Kunstwerke, meine Damen und Herren, verdienen Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit; dabei hilft ein geduldiges Schauen. Erst danach erschließt sich dem Betrachter das jeweilige Werk in all seinen Facetten.

Geduld und Konzentration war auch für die Mitglieder der Jury angesagt; denn wie in jedem Jahr war es eine nicht einfache Aufgabe, aus der Vielzahl der eingereichten Kunstwerke drei herauszuwählen, darunter den Sankt Andreas-Kunstpreis. Im Mittelpunkt der Entscheidung  stand zunächst  eine gelungene Umsetzung des Themas „NATUR – MENSCH"; künstlerisches Können und kreatives Gestalten müssen gewährleistet sein. Ich gebe nun zunächst die Namen zweier Preisträgerinnen bekannt. Dies geschieht wertefrei in alphabetischer Reihenfolge:

Frau Barbara Czarnojahn erhält einen Preis für ihre Malerei mit dem Titel „vögeln". Ich sehe, Sie schmunzeln, meine Damen und Herren, doch Sie  werden beim Betrachten der Malerei recht schnell erkennen, wie es gemeint ist. Frau Czarnojahn ist gebürtige Berlinerin. Sie studierte an der Hochschule für Bildende Künste mit Abschluss Meisterschülerin. Ihre Werke werden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Ihre Malerei, die hier in der Scheune zu sehen ist, setzt sich ähnlich einem Puzzle aus 11 Farbtafeln zusammen. Das Betrachten der einzelnen Bildtafeln verlangt einen Positionswechsel des Auges; Stück für Stück wird das zusammengesetzte „Vogel-Puzzle",,abgemustert“. Danach ist ein genaues Hinschauen unabdingbar. Wir erkennen die kräftige, sichere Pinselführung der Malerin, sowie den sorgsam abgestuften Farbauftrag. Vögel in unterschiedlichen Positionen und Haltungen werden wahrgenommen. Anrührend gemalte kleine Tier­Szenen sind zu entdecken. Zu den Tieren, mit denen wir seit jeher verbunden sind, gehören Vögel. Wir beneiden sie um ihren freien Flug, lauschen ihrem Gesang, lieben ihr buntes Gefieder. Doch nicht wenige unserer gefiederten Mitbewohner sind vom Aussterben bedroht, da der Mensch sie aus ihren angestammten Brutgebieten verdrängt. Mit  ihrer einfühlsamen klugen Malerei lenkt die Künstlerin unsere  Aufmerksamkeit auf dieses ernst zu nehmende Problem, auf die Bedrohtheit tierischer Existenz und in deren Folge auch menschlicher Existenz. Zu Recht hat die Jury diese Arbeit mit einem Preis bedacht. Ich bitte Frau Czarnojahn, nun ihren Preis entgegenzunehmen.

Ein weiterer Preis wurde der Künstlerin Evelyn Steinmetz zugesprochen. Frau Steinmetz ist gebürtige Schleswig-Holsteinerin. Sie studierte  Malerei, Grafik und Fotografie an  der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Die Werke von Frau Steinmetz wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter auf der VI. International Biennale of Drawings in Pilsen. Die Künstlerin erhält einen Preis für ihre Foto-Arbeit mit dem Titel „Insel". Zu sehen ist die kleine aber feine Arbeit im Atrium der katholischen Kirche Sankt Andreas. Da ich Ihnen  die  einsinnige Fotografie hier nicht zeigen kann, bitte ich um die Kraft Ihrer Imagination. Stellen Sie sich einen Bildraum vor, in dem nur zwei Dinge wahrnehmbar sind: ein schwarzer Pflock am Rande des Blattes und eine filigran angedeutete Insel, bewachsen von hohen Bäumen, die sich im Wasser spiegeln. Soweit der Bildinhalt, den wir als Betrachter gedanklich ergänzen können, was von der Künstlerin durchaus erwünscht ist. Vorstellbar für mich ist die Insel als eine Art Zufluchtsort, in dem der Mensch wieder im Einklang mit der Natur lebt, wo er Flora und Fauna respektiert. Die griechische Mythologie nennt einen solchen Ort die „Insel der Glückseligen", in der die menschlichen Lieblinge der Götter nach ihrem Tod weiterleben. Nun sind die griechischen Götter für uns Sterbliche nicht zuständig, schade! Doch den Traum von der „Glückseligen Insel" träumen wir gerne weiter. Wie oft heißt es nach einem Urlaub: diese Insel war paradiesisch schön. Man erlebt solche bevorzugten Orte als Gegenbild zu der Welt, in der viele Menschen heute leben, oftmals in einer tristen, grauen urbanen Wirklichkeit. Dort fehlt das Grün, das für alle Menschen lebensnotwendig ist. Gott hat den Menschen die  Schöpfung anvertraut – wäre es da nicht ein Muss, viele grüne Inseln inmitten des grauen Betons unserer Großstädte zu pflanzen? Der in sich geschlossene schwarze Pflock in der Fotografie könnte sinnbildhaft auf die trostlose urbane Wirklichkeit verweisen. Die filigran angedeutete Insel im Bild wäre als Ort der Zukunft denkbar, in dem Mensch und Natur in Einheit verbunden leben. Zunächst ist dieser Gedanke utopisch, aber Annäherung wäre das Ziel. Ich bitte nun Frau Steinmetz, ihren Preis entgegenzunehmen.

Kommen wir nun zur Vergabe des Sankt Andreas-Kunstpreises. Die Jury entschied sich für die Installation des Künstlers Detlef Backhaus. Herr Backhaus lebt in Gillenbeuren in der Eifel. Er absolvierte ein Architektur-Studium an der Fachhochschule Köln mit freiem Zeichnen, Aktzeichnen und Bildhauerei. Seine Arbeit ist in der Martini-Kirche gleich hier um die Ecke zu sehen. Ich bitte die anwesenden Gäste wiederum um ihre geistige Vorstellungskraft. Zunächst erkläre ich den Aufbau der Installation. Sie besteht aus einem großen angefertigten Würfel mit Stahlrahmen und einer Draht-Netzdecke, an der unzählige Weidenruten und vier ausgebleichte Tierschädel hängen. Die herabhangenden Weidenruten vermitteln den Eindruck eines schützenden Vorhangs, der den Innenraum des hausähnlichen Gebäudes umgibt. Doch wer soll hier beschützt werden? Im Innenraum sind nur Totenschädel von Tieren erkennbar. Der Gedanke an ein Stillleben, an „eine natura morta", eine tote Natur stellt sich ein, und zwar nicht an ein gemaltes, sondern an ein realistisch errichtetes Stillleben. Wurde hier für die geschändete Natur ein Mahnmal geschaffen? Oder trauert die Natur etwa um sich selbst? Zu dieser Frage gibt es eine passende Antwort: die Trauerweide gilt wegen ihrer an rinnende Tränenströme erinnernden, erdwärts geneigten Gestalt oft als Symbol der Totenklage. Eine Interpretation, der Sie, liebe Kunstfreunde, eine eigene hinzufügen können, was den Umgang mit der Kunst umso spannender macht. Sich auf Kunst einzulassen, kann bestenfalls zu eigenen kreativen Gedanken führen. Herr Backhaus hat diese Idee zu einer Installation konsequent umgesetzt. Als Arbeitsmaterial benutzte er einen Wirkstoff aus der Natur, den er gekonnt mit einem neuzeitlichem, dem Stahl, verbunden hat. So entstand in seinem Werk geradezu ein Schnittstelle zwischen Natur, Technik und Kunst, eine Koexistenz die das Aufeinander-angewiesen-sein von Mensch, Natur und Technik positiv aufzeigt.

Die Jury hat Detlef Backhaus den Andreas-Kunstpreis für das Jahr 2017 zuerkannt. Der Preis wird ihm nun anschließend überreicht.

Ich bedanke mich für Ihr geduldiges Zuhören und wünsche einen vergnüglichen Kunstabend.

Dr. Elfi Krajewski

Sankt Andreasberg, 16.9.2017