Ein Luchs - was nun?
Der Luchs – ein alter Harzer ist zurück
Sie ist wieder da, die große Katze mit den typischen Pinselohren, dem Backenbart und dem kurzen Schwanz. Rund 200 Jahre war der Luchs, bedingt durch die starke Verfolgung durch den Menschen, in unseren Wäldern nicht mehr anzutreffen. Seit mehr als 30 Jahren bemüht man sich in Europa nun aber verstärkt um den Schutz des Luchses. Als Folge davon kommt die Tierart auch in einigen Teilen Deutschlands wieder vor.
In der Harzregion gibt es die große Katze wieder, seit im Jahr 2000 im Nationalpark Harz ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet wurde. Mittlerweile gibt es auch wieder Nachwuchs in der freien Natur. Einzelne Luchse wandern sogar aus dem Harz ab und werden in Zukunft – so die Hoffnung – für eine Vernetzung mit anderen europäischen Luchsvorkommen sorgen.
Die Pinselohren sind genau wie Reh, Hase und Fuchs, deren Anblick und Verhalten den meisten von uns vertraut ist, heimische Wildtiere. Aber wissen wir auch, was wir von einer so großen Katze zu erwarten haben?
Wo trifft man den Luchs?
Grundsätzlich werden nur wenige Menschen die Chance bekommen, einen Luchs in der freien Natur zu beobachten. Für seinen Lebensraum gilt: Je mehr Versteckmöglichkeiten die Landschaft bietet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass darin ein Luchs lebt. Luchse sind Einzelgänger und nutzen sehr große Gebiete. Sie bevorzugen bewaldete Bereiche, die ihnen die Jagd erleichtern. Rehe und auch junge Rothirsche sind ihre Hauptbeutetiere. Wenn sich diese im strengen Winter des Mittelgebirges auf der Suche nach Nahrung vermehrt in Ortsnähe aufhalten, ist es möglich, dass der Luchs ihnen folgt. Dies kommt vor allem dort vor, wo der Wald – wie im Harz – unmittelbar an die Ortschaften heranreicht.
Ein Luchs – was nun?
Viele unserer heimischen Wildtiere flüchten vor dem Menschen schon bei großer Entfernung. Wir sind dieses Verhalten gewohnt. Es erscheint uns normal. Ein Tier, das nicht sofort flüchtet, veranlasst uns zu besonderer Vorsicht. Krankheiten wie z.B. Tollwut könnten im Spiel sein.
Trotzdem kann es immer mal wieder zu eine Begegnung mit großen Wildtieren wie Rothirschen, Wildschweinen und auch dem Luchs kommen. Angst ist in solchen Fällen zumeist weder sinnvoll noch notwendig, gebührender Respekt ist jedoch immer erforderlich. Hin und wieder kommt es vor, dass Wildschweine Menschen angreifen, z.B. wenn diese ihrem Nachwuchs zu nahe gekommen sind. Solche Angriffe sind bei Luchsen – auch aus dem Harz – unbekannt.
Alle im Harz ausgewilderten Luchse wurden in Gehegen geboren, auf ihre Eignung für ein Leben in der freien Natur getestet und erst nach einer Eingewöhnungs- und Beobachtungsphase im Harz freigelassen. Erfahrungsgemäß flüchten Luchse bei Menschenkontakt sofort. Wanderer, Jäger oder Förster berichten jedoch hin und wieder von einem Pinselohr, das nicht sofort das Weite sucht, sondern, weil es vielleicht keine schlechten Erfahrungen mit dem Menschen gemacht hat, eher neugierig als ängstlich abwartet.
Treffen Sie wirklich einmal auf einen Luchs, sollten Sie sich zunächst klarmachen, dass dies ein besonderes Erlebnis ist, das nur wenigen zuteil wird. Beobachten Sie das Verhalten des Tieres. Hat es Sie bereits bemerkt? Wohin bewegt es sich? Meistens wird sich der Luchs schnell von Ihnen entfernen, evtl. mit einem riesigen Satz im Unterholz verschwinden. Häufiger als sonst werden Luchse während der Paarungszeit zwischen Februar und April beobachtet. Die sonst eher in der Dämmerung aktiven Tiere sind jetzt auch vermehrt während des Tages unterwegs.
Auch ein neugieriger Luchs, der nicht sofort verschwindet, lässt sich, wie alle Wildtiere, in der Regel durch heftige Bewegungen, laute Geräusche wie Rufen oder Händeklatschen oder im Notfall durch Bewerfen mit Fichtenzapfen o.ä. zur Flucht bewegen. Den meisten Eindruck werden Sie erzielen, solange der Luchs Sie noch nicht richtig erkannt hat oder noch unschlüssig ist, ob Sie für ihn eine Gefahr darstellen.
Sind Jungtiere dabei?
Bei der Beobachtung eines einzelnen Luchses ist vor allem im Sommer und Herbst zu bedenken, dass Jungtiere in der Nähe versteckt sein könnten.
Gegenüber Menschen würde eine führende Luchsin in aller Regel widerstrebend das Feld räumen und ihren Nachwuchs evtl. sogar im Stich lassen. Sollte ein freilaufender Hund allerdings unvermittelt in die Nähe versteckter Jungluchse geraten, ist es möglich, dass das Muttertier plötzlich hervorspringt, um mit einem Scheinangriff auf den vermeintlichen vierbeinigen Gegner dem Nachwuchs Zeit für die Flucht zu verschaffen. Oder aber sie stellt sich drohend zwischen den Hund und die Jungtiere. Meist sucht sie kurz darauf selbst das Weite.
Beutereste – ist der Luchs noch in der Nähe?
Luchse sind Fleischfresser. Ein großes Beutetier wie z.B. ein Reh kann der Luchs aber natürlich nicht auf einmal fressen. Mehrere Tage lang kehrt er daher zur versteckten Beute zurück.
Entdecken Sie durch Zufall einen Riss, ist es gut möglich, dass der Luchs sich ganz in der Nähe befindet. Zwar zieht sich ein Luchs in den allermeisten Fällen auch jetzt bei Annäherung eines Menschen zurück, aber gerne verlässt er seine Nahrung nicht. Einen Hund sieht der Luchs in solch einer Situation als unmittelbaren Konkurrenten an. Vierbeiner sollten daher beim Fund eines Risses so schnell wie möglich angeleint und weggeführt werden.
Luchse und Hunde
Dass Luchse Hunde angreifen, weil sie sie als Beute betrachten, dürfte wohl nur extrem selten der Fall sein. Im Harz ist dies niemals vorgekommen.
Das Verhältnis von Luchsen und Haushunden ist allerdings nicht einfach zu beschreiben. Alle bisherigen Beobachtungen deuten darauf hin, dass Luchse häufig schon das Gebiet verlassen, wenn sie das Gebell von Hunden hören. Einer Auseinandersetzung mit einem Verfolger stellt ein Luchs sich in der Regel erst, wenn er keinen Ausweg mehr hat (und er auch nicht auf einen Baum fliehen kann). Ein Luchs verteidigt sich dann nicht durch Bisse, sondern durch blitzschnelle Hiebe mit seinen messerscharfen Krallen.
Andererseits können Hunde manchmal durchaus Interesse oder Neugier bei einem Luchs auslösen. Dies führt zu einer Annäherung, selbst wenn der Besitzer nicht allzu weit entfernt ist. Auch das Verhalten des Hundes bestimmt darüber, wie sich solch eine Situation entwickelt.
Wenn Sie solche Begegnungen von vornherein ausschließen wollen, nehmen Sie Ihren Hund im Wald an die Leine – im Nationalpark ist dies ohnehin ganzjährig Pflicht. So können auch andere Wildtiere vor Störungen geschützt werden.
Luchs? – Bitte melden
Bei der Nationalparkverwaltung Harz werden die Beobachtungen von Luchsen gesammelt und ausgewertet. Dies ist erforderlich, um einen Eindruck vom aktuellen Verbreitungsgebiet der Tiere zu bekommen und sich über das Verhalten der wiederangesiedelten Luchse zu informieren. Hier wird daher jede Meldung gerne schriftlich, telefonisch oder auch (während der Geschäftszeiten) persönlich entgegen genommen. Ihre Beobachtungen sind für uns wichtig!
Auf der Homepage des Luchsprojektes (www.luchsprojekt-harz.de) bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich die Luchshinweise des aktuellen Jahres anzusehen. Hier können Sie auch Ihre eigene Beobachtung in einer Landkarte eintragen oder per Email direkt an die Nationalparkverwaltung senden. Gerne beantworten wir Ihnen auch eventuelle Fragen.
Kontakt
Nationalparkverwaltung Harz
Lindenallee 35, 38855 Wernigerode
Tel. 0 39 43 / 55 02 - 0
poststelle@nationalpark-harz.de
oder
Außenstelle Oderhaus
37444 Sankt Andreasberg
Tel. 0 55 82 / 91 89 - 0
Ansprechpartner für Sie ist auch das jeweils zuständige Forstamt. Die Kreisjägerschaften im derzeitigen Luchsgebiet in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Luchsbeauftragte ernannt, die ebenfalls entsprechende Meldungen gerne entgegennehmen. Weitere Informationen und/oder Meldeformulare erhalten Sie auch unter den folgenden Adressen im Internet:
www.luchsprojekt-harz.de, www.ljn.de, www.ljv-sachsen-anhalt.de.
Impressum
Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Schopenhauerstr. 21, 30625 Hannover
Tel. 05 11 / 53 04 30
Texte: O. Anders
2. Auflage, 2009