Urwaldstieg am Brocken
Nur wenige Schritte sind erforderlich, um einen ganz anderen Wald zu erleben als den, der uns sonst überwiegend im Harz begegnet. Hier erhalten Sie einen Einblick in den legendären und sagenumwobenen Brockenurwald. Der seit dem 1. Januar 2006 vereinigte Nationalpark Harz hat den Stieg eingerichtet, um dieses Kleinod am Fuße des Brockens für Sie erlebbar zu machen. Verse von Bernd Wolff geleiten Sie entlang des Stieges. Vielleicht bewegen Sie aber noch ganz andere Gedanken, wenn Sie sich inmitten dieses urigen Waldes befinden und dessen Ruhe in sich aufnehmen?
Wandersegen
Stehenbleiben siebenmal
Sieben ist die Zauberzahl
Sieben Köpf’ bei Ungeheuern
Sieben Jahr, dich zu erneuern
Sieben Punkte hat das Glück
Sieben Brücken ins Zurück
Sieben Regenfarben locken
Nachdenklich machen die Verse von Bernd Wolff. Aber nicht nur für die Seele gibt uns der Urwaldstieg etwas. Wenige Meter entfernt von der Brockenstraße erlebt man einen Wald, wie ihn die Natur hier werden ließ. Alle seine Entwicklungsstadien sind zu erkennen: die jungen Fichten, die als Sämlinge nur auf dem vermodernden Holz der vorangegangenen Baumgeneration ein Fortkommen haben, aufwachsende, alte und absterbende Fichten, unter ihnen sonderbare Baumgestalten. Der Kreislauf des Lebens und Vergehens ist geschlossen. Der Mensch greift hier nicht mehr ein, so, wie es wohl seit langer Zeit schon war. Aber es ist nicht nur der Rest des einstmaligen Urwaldes, wie er für das Brockengebiet so typisch ist, sondern es ist auch das Bild des Waldes, wie er zukünftig im Nationalpark wieder entstehen kann. Dieser natürliche Fichtenwald des Mittelgebirges ist europaweit zu einer großen Seltenheit geworden. Er ist nicht gepflanzt, um uns Holz zu liefern, sondern er ist Lebensraum, reich an Struktur und reich an Arten. Er ist ein Teil der eigentlichen Natur unserer Heimat. Ist uns deren Bild vielleicht schon fremd geworden?
Informationen zum Urwaldstieg
Länge: ca. 200 m.
Höhenlage: ca. 900 m ü. NHN
Impressum
Nationalpark Harz, Lindenallee 35, 38855 Wernigerode
Tel. 0 39 43 / 55 02 - 0, Fax 0 39 43 / 55 02 - 37
poststelle@nationalpark-harz.de
Texte: B. Wolff, Dr. H.-U. Kison
2006